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Grundlagen
Wann braucht man einen Anwalt im Strafrecht?

Wann braucht man einen Anwalt im Strafrecht?

Ein Strafverfahren ist für jeden Betroffenen mit grosser Belastung umwickelt: Kontakt mit der Polizei, Angst vor Konsequenzen wie Geldstrafe oder Gefängnis, oder einfach die Ungewissheit was sonst auf jemanden zukommen kann.

Jeden kann es im Strafrecht treffen, vom fahrlässigen Verkehrsunfall bis hin zur vergessenen Steuerangabe oder sonstigen durch alkoholbedingten Tätigkeiten. Jeder Lebensbereich ist mit einer Strafnorm sanktioniert. Wer jedoch in einem solchen Fall gerät, sollte unbedingt anwaltlichen Rat einholen. Denn in diesem Rechtsgebiet bestehen, wie bei keinem anderen Rechtsgebiet, die meisten Schwierigkeiten mit Beweisen.

Zusätzlich kommen noch die Ermessensspielräume bezüglich der weiteren Prozedur des Strafverfahrens hinzu, wie z.B.: 

  • Die Verfahrenseinstellung (mit oder ohne Geldauflage); 
  • Das schriftliche Strafbefehlsverfahren; 
  • Absehen von Strafe; 
  • Freispruch; 
  • Verwarnung oder Freiheitsstrafen (von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren).

Anders gesagt: Der Ausgang des Strafverfahrens bleibt meist offen, jedoch steht und fällt der Erfolg immer mit den passenden Schritten. Dennoch machen viele nicht den Gang zum Anwalt, weil sie entweder die Vorwürfe nicht ernst nehmen oder vielleicht weil sie die Nachfolgen eines Strafverfahrens nicht gut genug kennen.

Anwalt finden: Je schneller, desto besser...

In vielen Situationen stehen viele zu ihrer eigenen Schuld und resignieren einfach unter dem Druck des Strafverfahrens oder finden sich mit den Konsequenzen ohne differenzierte Auseinandersetzung mit ihren juristischen Möglichkeiten und Rechten ab.

Oft wird auch aus Missvertrauen in Polizei und Justiz sogar auf positiven Verfahrensausgang vertraut oder, dass sich der Fall in einem Weg oder anderen irgendwie aufklärt und gut ausgeht.
Dabei ist es im Strafrecht essentiell, juristischen Rat so schnell wie möglich einzuholen und ganz wichtig, nicht irgendwelche Aussagen gegenüber der Polizei oder anderen Behörden ohne fachanwaltliche Rücksprache zu machen.

Denn ein Anwalt für Strafrecht berät Sie kompetent, lösungsorientiert und setzt Ihre Rechte vor den zuständigen Gerichten und Behörden durch. Denn ein guter Anwalt weiss ganz genau was Ihre Rechte sind.

In welchen Fällen ist ein Anwalt im Strafrecht empfehlenswert?

Im Aufgabenbereich eines Rechtsanwaltes fällt eine ordnungsgemässe Verteidigung seines Mandanten. Dazu Bedarf es einer umfassenden Rechtskenntnis.

In folgenden Rechtsgebieten ist das herbeiziehen eines Anwalts empfehlenswert:

  • Vermögensdelikte (Betrug, Raub, Diebstahl, Veruntreuung etc.)
  • Körperverletzung und häuslicher Gewalt
  • Beschimpfung, Verleumdung etc.
  • Delikte gegen die sexuelle Integrität
  • Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz
  • Strassenverkehrsrecht
  • Jugendstrafrecht
  • Unternehmensstrafrecht
  • Urkundendelikte, und
  • Wirtschaftsstrafrecht

Geht es auch ohne Gericht?

Nebst den grossen Schwierigkeiten mit den Beweisrechten im Strafrecht, gibt es auch viele Möglichkeiten im Fall eines substantiellen Tatnachweises ein Strafverfahren ausserhalb des Gerichts zu beenden, wie z.B.:

  • Verfahrenseinstellung
  • Strafbefehl
  • Nichteröffnung des Verfahrens
  • Verweis auf den Privatklageweg
  • Einstellung gegen Geldauflage

Jedoch wird allerdings hier die Hilfe des Fachanwalts benötigt, um alles effektiv durchzusetzen. Da generell nur der Anwalt die typischen Schwächen des Justizsystems, wie Arbeitsüberlastung, materiell rechtliche Probleme, strafprozessuale Hürden etc. kennt, und diese gezielt zum Vorteil des Mandanten ausnutzt.

Es besteht auch die Möglichkeit der sogenannten "Deals" (Verständigungsgespräche) mit den Ermittlungsbehörden, um das Verfahren unter Juristen bzw. Anwalt oder Staatsanwalt zu beenden.

Dennoch empfiehlt sich auch in diesen Situationen einen spezialisierten Anwalt aufzusuchen, um schon im Vorfeld zu klären, ob strafrechtliche Ermittlungen drohen und welche Konsequenzen entstehen können bzw. entstanden sind.

Kann man eine Strafe mildern?

Es ist enorm wichtig Einsicht in die Ermittlungsakten zu haben, damit sich der Angeklagte in einem Strafprozess effektiv verteidigen kann. Ein Anwalt mit Erfahrung fordert eine Akteneinsicht und bekommt somit umfassende Informationen über Beweise, Tatvorwurf und Zeugen.

Der Anwalt basiert sich auf der Grundlage der Ermittlungsakte und entwickelt somit eine passende Verteidigungsstrategie. Er sichert  wichtige Beweise, erstellt Gutachten oder befragt Zeugen, um den Tatvorwurf widerzulegen und die Strafe abzudämpfen.

Der Anwalt für Strafrecht beantragt in Fällen mangelnder Beweislage oder fehlender Anordnung z.B. eine vorzeitige Entlassung aus der Untersuchungshaft. Es wird eine Strafmilderung wie Bewährung durch den Verzicht auf Strafverfahren durch gemeinnützige Arbeit oder ein Geständnis erwirkt.

Mitten im Strafverfahren: Was sollten Sie unbedingt tun?

Grundsätzlich gilt, immer wenn Sie in einem Strafverfahren vermittelt sind, sollten Sie sich von einem Rechtsverteidiger vertreten lassen. 

Fälle in denen ein Rechtsanwalt für Strafrecht normalerweise gebraucht wird, sind bei Verhaftungen, Durchsuchung Ihrer Wohnung, Geschäftsräume oder Ihrem Auto. Selbst in Untersuchungshaft steht Ihnen ein Strafverteidiger rechtlich zur Seite.

Bei Körperverletzung kommt ein Anwalt im Strafrecht ebenfalls zum Zuge, unabhängig, ob Sie Täter oder Opfer sind. 

In besonderen Fällen kann ein solcher Anwalt Gutachten erstellen und unterstützt Sie als Mandant ebenfalls im Falle einer Selbstanzeige oder Steuerhinterziehung.

Bedenken Sie, dass, auch wenn Sie eine Straftat begangen haben und diese bereuen, sollten Sie einen Anwalt für Strafrecht dazu ziehen. Dieser vertritt Ihren Fall und kann die Strafe mildern, in dem er wichtige Rechtfertigungs- oder Strafmilderungsgründe findet. 

Für einen Beschuldigten ist es nur mit professionellem Beistand möglich die Verteidigungsstrategie auszuarbeiten und festzulegen. Schon längst gilt es als übliche Praxis einen Verteidiger oder eine Verteidigerin zu beauftragen und ist im Übrigen kein Schuldeingeständnis. Wer sich zudem den Stress nicht antun möchte, sollte anwaltliche Vertretung erwägen. 

Beachten Sie auch keine unvollständigen oder gar falsche Aussagen zu machen. Diese können Ihr Verhältnis zum Anwalt gefährden und somit den ganzen Prozess erschweren. 

Mitten im Strafverfahren: Was sollten Sie keineswegs tun?

Als feste Regel für den Beschuldigten: Auf keinen Fall bei der Polizei sprechen. Beschuldigte können in einem Strafprozess selbst nichts ausrichten. In diesen Fällen ist jedes einzelne Wort vom Beschuldigten über das Verfahren entscheidend. Jedes Wort, das bei der Polizei gesagt wurde, kann gegen ihn gerichtet werden. Daher ist Schweigen in diesen Situationen Goldwert.

Schweigen ist als Grundrecht in der Europäischen Menschenkonvention etabliert und auch das Recht auf Verteidigung durch einen guten Anwalt. Dementsprechend ist es auch wichtig, dass der Beschuldigte nur mit einem Anwalt für Strafrecht spricht. Alles Gesagte mit dem Anwalt bleibt ein Geheimnis und der Strafverteidiger verpflichtet sich den Interessen des Beschuldigten.

Ein anderer wichtiger Punkt: Auch wenn der Beschuldigte glaubt unschuldig zu sein, sollte er trotzdem schweigen. Sollte der Beschuldigte reden, wird ihm die Polizei Fragen stellen, oder besser gesagt “Fangfragen”. So kann es schnell vorkommen, ohne es zu bemerken, dass man sich in Widersprüche verwickelt. Denn Schweigen kann in keinem Fall gegen den Beschuldigten verwendet werden, wobei es beim Gesagten ganz anders aussieht.

Wann geht es auch ohne Anwalt?

Obwohl eine juristische Beratung oft unerlässlich ist, gibt es doch kleinere Belange, die Sie ohne die Hilfe eines Anwaltes lösen können. Eine klare Linie zu ziehen, wann Sie die Hilfe des Anwaltes brauchen und wann Sie auf diese getrost verzichten können, ist ein wenig schwierig. 

Am Arbeitsplatz etwa, können kleinere Missverständnisse auch ohne die Notwendigkeit eines Anwalts geregelt werden. Beispiel Unstimmigkeiten rund um Ihren Urlaub oder Überstunden. 

Sollte es jedoch um die Verletzung Ihrer Rechte als Arbeitnehmer gehen, sollten Sie die Unterstützung durch einen Anwalt in Betracht ziehen. Solche Fälle sind z.B. 

  • Mobbing; 
  • unberechtigte Kündigung; 
  • sexuelle Belästigung etc.

Vermeiden Sie bei Bagatellfällen wie kleineren Verkehrsdelikten (Verkehrsbussen), oder Streitereien um den berühmten Ast, der in Ihren Garten ragt, einen Anwalt zu rufen. Oft liegt der Streitwert unter den Kosten, die entstehen.

Bei Scheidungs-, Sorgerecht- oder Unterhaltsprozesse sollte aber immer ein Anwalt herbeigezogen werden. 

Wie hoch sind die Kosten für einen Anwalt im Strafrecht?

Wie hoch sind die Kosten für einen Anwalt? Das ist eine Frage, die sich viele stellen, besonders dann, wenn es darum geht, einen Anwalt für einen Rechtsstreit einzustellen.

Dennoch gibt es leider für diese Frage auch keine klare Antwort, da es dafür keine konkrete Zahl gibt. Die Anwälte sind an keine bestimmte Gebührenordnung gebunden und können die Anwaltskosten selber durch den Stundensatz oder Pauschalbetrag für das Mandat bestimmen.

 Zeitaufwandsabrechnung: Die häufigste Form der Abrechnung

Bei der Abrechnung nach Aufwand, legen die Parteien den anwendbaren Stundenansatz in einer Honorarvereinbarung schriftlich fest. Dieser hängt immer von der Komplexität des Falles, der Dringlichkeit und von den Fähigkeiten des Anwalts ab. Der Stundensatz, wie auch schon oben erwähnt, ist eine Sache der Vereinbarung mit dem Anwalt. Schweizweit geht man mit einem Richtwert von CHF 200.00 bis zu CHF 500.00 aus. Das hängt auch von der Qualifikation des Anwalts ab. Das Mittelfeld richtet sich jedoch in der Grössenordnung von CHF 250.00 bis CHF 350.00 pro Stunde.

Die Effektivität des Anwalts hat jedoch wenig mit dem vereinbarten Stundensatz zu tun. Das hängt immer von der Perspektive ab, denn ein Anwalt, der für einen Fall 25 Stunden benötigt und CHF 250.00 pro Stunde verrechnet, ist schlussendlich viel teurer als einer, der CHF 350,00 verrechnet, jedoch nur 15 Stunden für den Fall benötigt. Generell wird im Minutentakt abgerechnet. 

GetYourLawyer Tipps

Ein Rechtsstreit vor Gericht kann hohe Kosten zur Folge haben. Damit man eine passende Lösung findet, um Kosten zu sparen, ist es wichtig einen Anwalt so schnell wie möglich zu mandatieren. Denn durch Zuwarten können gesetzliche und behördliche Fristen ablaufen. Im schlimmsten Fall steht einem der Rechtweg dann nicht mehr offen oder aber der Rechtssuchende sieht sich gezwungen aufwändige Umwege zu gehen.

Es ist wichtig, sich nach der Beschreibung Ihres Rechtsproblems über und die im Voraus zu erwartenden Kosten und Anwaltshonorare zu informieren. Es sind alle anwaltlichen Leistungen und Bemühungen zu vergüten. Das Erstgespräch gehört auch dazu und grundsätzlich unterliegt die Entschädigung der Mehrwertsteuer, die auch dazu berechnet werden.

  • Es kann auch vorkommen, dass man Ungereimtheiten oder Uneinigkeiten auf das Anwaltshonorar hat. Daher besteht die Möglichkeit eine Überprüfung der Rechnung durch eine Honorarkommission bei einem kantonalen Anwaltsverband zu beantragen. Jedoch ist es für die Honorarkommission nicht möglich, die Qualität der Tätigkeit des Anwalts zu überprüfen. Hierzu kommen dann die Gerichte ins Spiel.
  • Es besteht für die mittellosen Parteien die Möglichkeit im Rahmen eines hängigen Gerichtsprozesses, eine kostenfreie Rechtsvertretung in Anspruch zu nehmen. Diese unentgeltliche Rechtspflege wird bei Bedürftigkeit gewährt, falls der Beizug des Anwalts als geboten erscheint und der Prozess nicht erfolglos ist. In Fällen jedoch wo die Partei durch den Prozessausgang oder in einem anderen Wege profitiert, gilt eine Rückerstattung als Pflicht.
  • Die regionalen Unterschiede sind auch zu beachten. Als Beispiel: In Basel ist der Stundensatz zwischen 200 und 300 Franken. Wenn Sie sich jedoch von einem Anwalt in Zürich beraten, ist mit einem Honorar von 250 bis 400 Franken zu rechnen.
  • Achten Sie immer darauf, die Kosten vor der Mandatsvergabe klar zu regeln. Bei der Plattform GetYourLawyer besteht die Möglichkeit die Anwaltskosten schon im Voraus zu bestimmen. Eine Erstberatung ist zu einem Festpreis zu vereinbaren. Das Gleiche gilt auch für die erste Beratungsphase, die ebenso mit einem Kostendach zu vereinbaren ist. So haben Sie eine bessere Übersicht der Kosten.

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